Nichtstun

Nichtstun

So, wir sind in Singapur angekommen. Körperlich und auch seelisch. Manchmal braucht die Seele ja ein wenig länger um anzukommen als der Körper. So empfinde ich das manchmal.

Wir wohnen seit fünf Wochen in einem Serviced Apartment. Das ist eine Hotel-Wohnung, welche gewisse inkludierte Annehmlichkeiten aufweist wie z.B. Frühstück oder einen Putzservice. Mit einem Swimmingpool und einem Fitnessraum. Also alles sehr toll und schön.

Wir sind aus der Schweiz ausgewandert, dh. wir beziehen unseren Lohn in Singapur und versteuern auch hier. Und das heisst natürlich auch, dass wir alle Möbel mitgenommen haben. Die sollten in diesen Tagen in Singapur ankommen. Wir haben auch bereits eine Wohnung gefunden. Diese wird jedoch noch renoviert und so können wir erst Ende Februar unser neues Zuhause beziehen.

Ich bin momentan in einer Zwischenphase. Irgendwie noch nicht angekommen. Und irgendwie zum Nichtstun verdonnert. So empfinde ich das auf jeden Fall. Mit einem Zuhause hat man nämlich seinen eigenen Platz, seinen eigenen Rückzugsort, sein eigenes Refugium. In dem man wirken kann. Und momentan ist mein Wirkungskreis ein wenig eingeschränkt.

Daher habe ich mir mal Gedanken gemacht zu dem Thema: Nichtstun. Was heisst eigentlich: Nichts tun? Wie muss man sich das vorstellen? Kann man überhaupt nichts tun? Wahrscheinlich gehen da Meinungen auseinander. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen vom “Nichtstun”.

Das Verb “tun” verbinden wir eigentlich immer mit einer Handlung. Wenn wir also “nichts tun”, sind wir faul. Und ich glaube, dass dieser Irrglaube in ganz vielen Köpfen herrscht, darum sind auch immer viele Leute wahnsinnig viel am tun. Damit sie ja nicht als faul gelten.

Nichtstun führt oft zum allerbesten Irgendwas. Dieser weise Spruch vom Bären Winnie de Puuh stimmt. Für mich. Ganz oft – wenn ich vermeintlich nichts tue – bin ich am Denken. Vor allem über Mich, über das Leben, über das Sein. Philosophisches Denken absorbiert und ist intensiv. Daher kann ich es nicht mit einer anstrengenden Arbeit verbinden. Denn dann kann ich nicht in dieser Tiefe denken, in der ich gerne denke. Und so sitze ich einfach ganz oft da und tue nichts. Ganz einfach, weil ich am Denken bin :-). Und daraus entstehen neue, kreative Gedanken. Und Ideen. Und manchmal werden sie umgesetzt. Und manchmal verflüchtigen sie sich wieder.

Und trotzdem – Ich würde wahnsinnig gerne “Nichtstun” in meinen eigenen vier Wänden. Aber das dauert noch ein paar Wochen.