Den eigenen Weg gehen

Den eigenen Weg gehen

Als dieses obige Foto aufgenommen wurde, hatte ich gerade zwei Monate zuvor eine Bandscheiben-OP hinter mir. Eine Spondylodese. Bei dieser Operation wird die kaputte Bandscheibe durch ein Titan-Cage ersetzt und mit vier Schrauben an der Wirbelsäule befestigt. Bei mir ist es die unterste Bandscheibe (L5/S1), die ersetzt werden musste.

Aber warum habe ich diese Operation gemacht? Wenn du meine Posts regelmässig liest, dann hast du vielleicht auch den Post “annehmen, was ist” gelesen. Dort habe ich über meine Schmerzen berichtet. Nach zwei Jahren permanenten Schmerzen (z.T. war Gesichtwaschen am Lavabo nicht mehr möglich) war diese Operation für mich der letzte Ausweg.

Angefangen mit den täglichen 24/7 Schmerzen hat es Ende Juli 2018 in den Hawaii Ferien. Wahrscheinlich war das viele Strandlaufen für meinen instabilen Rücken resp. Becken irgendwann zu viel. Ich habe dort angefangen mit täglichen Yogaübungen resp. Dehnübungen, damit ich einigermassen durch den Tag kam. Dummerweise kam ich auf die Idee im Juni 2019 eine 4-wöchige Yogaausbildung in Holland zu absolvieren, wovon ich nur 2 Wochen durchgehalten habe, da die Schmerzen so unerträglich wurden. Ich weiss nicht, ob ich damals meine Instabilität verschlimmert habe. Danach habe ich mit Yin-Yoga begonnen – für mich Zuhause. Das ist eine Yogaform, wo man Dehnpositionen lange hält, mind. 3 Minuten. Den Schmerz langsam durch die Dehnung loszulassen, tat einfach sehr gut.

Irgendwann im April 2020 war ich so müde von meinen Schmerzen, dass ich mich entschlossen habe, eine Operation zu wagen. Im Wissen, dass ich alles, was möglich gewesen ist, auszuprobieren, ausprobiert hatte.

Bis ich mich jedoch dazu entscheiden konnte, habe ich auf diesem Weg viel ausprobiert, u.a.:

  • Dorntherapie
  • Osteopathie
  • Diverse Massageformen
  • Einlagen für Schuhe
  • Akupunktur
  • Dry-Needling
  • Physiotherapie
  • Ayurvedische Ansätze
  • Feldenkrais
  • Chiropraktik

Seit ich denken kann, habe ich Rückenschmerzen. Mal mehr, mal weniger. Von wo es kommt, weiss ich nicht. Das spielt auch keine Rolle. Der Weg, den ich gegangen bin, war ein einsamer. Viele Menschen haben mir gute Ratschläge gegeben. Sei es noch nicht verarbeitete Emotionen, die sich auf den Rücken schlagen bis “du tust zu viel”. Ich habe mich gefragt, wieso Menschen Antworten haben, wo ich keine finde.

Ich habe keine Schmerzmittel genommen. Meine Angst war, dass wenn ich mal anfange mit Schmerzmittel, ich immer stärkere Medikamente brauche, weil sich mein Körper an die Dosen gewöhnen könnte. Und das wollte ich nicht. Das wollte ich meinem Körper nicht antun. Mein Schmerzmittel war Yoga. Und natürlich habe ich mich immer wieder motiviert und mir gesagt, wie dankbar ich doch bin und was für einen tollen Körper ich habe, auch wenn er jetzt gerade schmerzt.

Jetzt sind bereits mehr als sieben Monate seit diesem Eingriff vergangen. Erst heute mit über 50 Jahren kann ich mein körperliches Potential leben. Mein Rücken ist endlich stabil. Es fühlt sich an, als ob ich meinen Körper fit gemacht habe für die nächsten 50 Jahre. Denn davon bin ich überzeugt:  Es werden die besten Jahre meines Lebens und daher brauche ich meinen Körper stark und schmerzfrei.

Mein Appell darum an alle da draussen, die in irgendeiner Form die Einsamkeit eines Leidens-Weges kennen:

Geh beharrlich deinen Weg weiter! Lass dich nicht beeinflussen von Leuten, die es “besser” meinen oder das Gefühl haben, dass sie es besser wissen. Kann sein. Kann aber auch nicht sein. Informiere dich über verschiedene Kanäle, wäge alles ab: Sowohl medizinische wie auch alternative Therapieformen. Und lasse dir Zeit. Zeit, herauszufinden, was dein Körper möchte und braucht.

Zeit, die ich mir gegeben habe. Und das zwei Jahre lang.