Wechseljahre vs. Midlife-Crisis

Wechseljahre vs. Midlife-Crisis

Ich wende mich heute einem Thema zu, das man gerne mal unter den Tisch kehren möchte. Denn Wechseljahre oder auch Midlife-Crisis hat man nicht so gerne, sie implizieren, dass man nun definitiv alt. wird. Diejenigen, die bereits da drinnen sitzen (wie mein Mann und ich), wissen von was ich schreibe. Es kann panikartige Gefühle auslösen.

Wir gebrauchen gerne diese beiden Wörter unterschiedlich. Bei einem Mann ist es die Midlife-Crisis und bei der Frau sind es die Wechseljahre. Das eine gebraucht man für den Mann (Midlife-Crisis) und das andere für die Frau (Wechseljahre). Beim einen werden die psychischen Probleme angesprochen (Midlife-Crisis), beim anderen die körperlichen (Wechseljahre) Beschwerden. Doch eigentlich ist es doch dasselbe oder nicht?

Auch Männer haben körperliche und nicht nur psychische Probleme. Und auch Frauen haben neben den körperlichen Symptomen eine Midlife-Crisis. Die psychischen Probleme sind eng verbunden mit den Fragen: War’s das? Was will ich noch in meinem Leben erreichen? Man hinterfragt sich in der Lebensmitte und sucht den Sinn des Lebens, der uns in all den Jahren davor vorgegeben wurde durch Kinder und Job. Wenn dann die Kinder aus dem Haus sind, ist nur noch der Partner da und der Job, beides oftmals akzeptiert mit wenig Enthusiasmus .

Bei den Frauen sind es körperliche Probleme wie Schwitzen, Unwohl sein, nicht Durchschlafen können aber auch emotionale Schwankungen, welche bis zu einer Depression führen können.

Auch Männer haben körperliche Symptome (u.a. Hitzewallungen, verminderte Sexualfunktionen, Bauchfett). Bei ihnen kommt die Midlife-Crisis meistens so zum Vorschein, dass sie sich ein neues Hobby suchen (der Porsche für diejenigen, die es sich leisten können), sie suchen sich eine Freundin/Geliebte oder sie machen exzessiven Sport, um ihren körperlichen Verfall verzweifelt aufzuhalten.

Die zentrale Frage nach dem Sinn des Lebens wird sowohl bei der Frau als auch dem Mann nicht dadurch gelöst, in dem wir so weitergehen, als wäre nichts passiert. Und so hat man dann zwei Möglichkeiten: Man nimmt sich dem Thema an und befasst sich damit oder nicht. Im letzteren Fall kann es dann passieren, dass man dann passiv wird und man irgendwie einfach lebt (mehr oder weniger zufrieden).

Beide Themen finden in der Gesellschaft immer noch wenig Gehör. Wenn das Thema aufkommt beim Mann, dann wird ein Witz darüber gemacht. Bei der Frau ist es dann eher betretenes Schweigen. Unsere Gesellschaft weiss immer noch nicht, wie richtig damit umgehen, obwohl es JEDEN von uns betrifft, irgendwann.

Gemeinsam durch diese Zeit gehen, ist für beide einfacher. Über dieses Thema reden hilft oder sich auch externe Hilfe suchen. Denn wenn wir in unserer Lebensmitte angekommen sind, dann haben wir nochmals genauso viel vor uns. Aber unsere Ziele, die wir mit 20 hatten, sind irgendwie aufgebraucht. Denn wir haben Partner, Kind, Haus und einen erfolgreichen Job. ALSO WAS JETZT???

Ich finde jedoch, dass es Wert sein sollte, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn es kommen nochmals 30-50 Jahre auf uns zu und die wollen wir doch geniessen und leben können?

Also – keine Panik schieben, sondern sich um das Thema kümmern, dann kommt alles gut!