Verzeihen können

Verzeihen können

Verzeihen. Das ist ganz schön schwer. Viele Menschen können nicht verzeihen. Auch mir fällt es manchmal schwer. Aber was ist eigentlich verzeihen und wie kann ich lernen, zu verzeihen?

Es gibt immer mal wieder Situationen im Leben, wo wir uns angegriffen fühlen. Uns nicht verstanden fühlen. Und dann verletzt sind und auch so reagieren. Die Reaktionen können sehr verschieden sein. Manche Menschen schreiten zum Gegenangriff über, wenn sie verletzt wurden und schreien die Person an (oder werden sogar gewalttätig). Andere ziehen sich komplett zurück und machen zu. Es ist kein Durchdringen zu ihnen mehr möglich. Andere wiederum ignorieren das Gegenüber völlig, so als wäre die Person inexistent.

Alle diese Reaktionen sind nicht ideal und lösen schlussendlich das Problem nicht. Im letzten Post habe ich über Emotionen geschrieben. Da geht es darum, dass eine Emotion unreflektiert ist und im Affekt geschieht und nicht darüber nachgedacht wird. Zum Beispiel eine Trotz-Reaktion ist eine Emotion – also wenn ich dich anschreie, schreist du zurück (oder weinst, läufst davon,…). Wenn ich beleidigt bin und trotze, bist du auch z.B. auch beleidigt und sprichst nicht mehr mit mir oder schreist mich an. Die Reaktionen können vielfältig sein. Auch beleidigt sein, ist eine Emotion.

Verletzt darf man sein. Aber man sollte wissen wieso. Einfach mal trotzen, schreien oder sonst was tun, das tun Kinder. Die dürfen das noch. Aber bei uns erwachsenen Menschen sieht das wenig sexy aus. Zudem hat uns der liebe Gott (oder wer auch immer) einen Verstand mitgegeben und die Fähigkeit, zu reflektieren und über das Geschehene nachzudenken.

Verzeihen heisst, den anderen so akzeptieren, wie er ist. Und auch wenn einem nicht immer alles gefällt, was der andere sagt und tut, es manchmal einfach schlucken im Wissen, dass auch das Gegenüber manchmal schlucken muss, wenn ich etwas tue, das ihm nicht passt. Verzeihen heisst auch grosszügig sein mit dem Gegenüber. Wissen, dass man selber nicht perfekt ist und daher den anderen auch in seiner Unperfektheit akzeptieren können. Verzeihen ist ein Akt der Liebe.

Wenn man liebt, verzeiht man – immer. Das heisst aber, sich selber anschauen, nicht immer dem anderen die Schuld an seiner Misere geben und überlegen, was gerade da passiert ist und wieso. Man hat immer einen eigenen Anteil an dem, was passiert. Und wenn man nicht mehr verzeihen möchte (was ja jedem sein gutes Recht ist), dann zieht man die Konsequenzen. Denn – immer beleidigt und verletzt zu sein, ist mühsam für das Gegenüber aber in erster Linie ist es mühsam für einem selbst. Man macht sich damit keinen Gefallen. Und – es ist vor allem nicht attraktiv und sexy.