Ist Selbstliebe ein Ego-Trip?

Ist Selbstliebe ein Ego-Trip?

Letzthin wurde ich gefragt, ob “sich selbst lieben” nicht einfach nur egoistisch sei. Da wurde mir klar, dass das Thema “Selbstliebe” kein Selbstläufer und keine Selbstverständlichkeit ist, so wie ich die Selbstliebe sehe (als Teil von wahrhaftig gelebter Liebe mir und anderen gegenüber). Ich musste über diese Frage ein wenig nachdenken und mir Zeit nehmen, um diese Frage so gut wie möglich zu beantworten. Ich weiss nicht, ob es mir bei dieser Person gelungen ist und so nehme ich einen zweiten Anlauf auf diesem Blog. 

Selbstliebe, so wie ich sie sehe, ist nicht egoistisch, sondern genau das Gegenteil davon. Egoismus in Wikipedia wird u.a. folgendermassen beschrieben: “Handlungen haben zumeist uneingeschränkt den eigenen Vorteil des Handelnden zum Zweck.” Bei der Selbstliebe beziehen wir IMMER unser Gegenüber mit ein, es hat also auch einen Vorteil für das Gegenüber. Wenn wir darauf schauen, dass es uns gut geht, dann legen wir automatisch die Basis für die Personen um uns herum, denn es ist uns ja wichtig, dass es auch denen gut geht. Das heisst, ich bin freundlich, empathisch, gehe auf mein Gegenüber zu, wenn ich sehe, dass es traurig/wütend ist, ich kann verzeihen, andere Meinungen respektieren, usw. Ich wertschätze das Gegenüber, unabhängig von Rasse, Kultur, Religion, Status. Ich bin das Gegenteil von arrogant. Selbstbezogene Menschen haben sehr oft narzistische Züge. Sie sind kritikunfähig, arrogant und unsicher. Sie sind leicht reizbar, oftmals scheinbar ohne Grund. Menschen, die eine grosse Selbstliebe haben, sind weder reizbar noch launisch. Wenn sie das sind, ist ihre Selbstliebe sicher noch entwicklungsfähig.

Wenn man also ein wenig Menschen-Studie betreiben will, dann beobachtet mal euer Gegenüber und sein Verhalten. Noch besser ist natürlich, sein eigenes Verhalten zu beobachten und zu reflektieren.